Identikit (deutsche Version)

copertina germaniaIch erinnere mich, dass ich als Kind tonnenweise Comics, aber kein einziges Buch gelesen habe. In der klassischen Oberschule hatte ich Klassenkameraden, die sich mit 15 Jahren, nicht nur mit Hesse, sondern auch mit Flaubert und Tolstoj auseinandergesetzt hatten. Daran muss sich etwas ändern, sagte ich mir und fing an – nun auch ich – zu lesen: Bradbury, Brown, Matheson, Asimov, King. Dann machte ich einen Schritt zurück zu Hogdson, Poe, Lovecraft. Und dann wieder einen voran zu Philip Dick. Es war Dick, der mich hin zu Autoren katapultierte, die weit von der Siencefiction entfernt waren, aber genauso fähig zu dieser starken Schreibweise essentiel und beschwörend: Dashiell Hammett, Raymond Chandler, Cornell Woolrich und dann aus dem französischem Lager von Malet, Manchette, Daeninckx und Izzo. In Italien nannte man sie noch vor 20 Jahren die „Konsumliteratur“. Ohne zu bemerken, dass einer wie Giorgio Scerbanenco mit dem Handwerkszeug und dem konformistischen Blickwinkel seiner Konsumliteratur die Oberfläche des italienischen Wirtschaftsbooms der 60 ger Jahre entfleischt hatte. Weniger systematisch, aber streckenweise mit der gleichen Schärfe eines Großen wie Pier Paolo Pasolini, mit der gleichen Unduldsamkeit eines Unbeugsamen wie Luciano Bianciardi.

Mir gefallen Geschichten, so einfach ist das.

Und ich wollte um jeden Preis lernen, wie man das macht sie zu erzählen, den Leser von der ersten Seite an mitreißen und ihn davon tragen. Wenn diese Leidenschaft heute auch meine Arbeit ist, dann verdanke ich dies einigen glücklichen Begegnungen und einigen besonderen Weggefährten. Als erster unter ihnen Luigi Bernardi, eine der leuchtensten Intelligenzen in dem italienischen Verlagspanorama. Und dann Schriftstellern wie Carlo Lucarelli, Loriano Macchiavelli, Giancarlo De Cataldo, Eraldo Baldini, Giampiero Rigosi. Mit all ihnen hatte ich Gelegenheit mich auseinanderzusetzen und Ideen und Projekte zu teilen. Seit dem, in nicht weit entfernten Tagen, als es nicht viele waren, die an die Zukunft des „noir“ und des italienischen Krimis geglaubt haben.

Ansonsten, bin ich 1965 in der Toskana in Viareggio geboren. Außer meinen Büchern schreibe ich Ideen und Drehbücher. Manchmal mache ich Übersetzungen (Ich habe das hervorragende “Die lange Nacht von Berlin” von Buddy Giovinazzo und das erste Sagenalbum in Comicform von Artemis Fowl ins Italienische übersetzt.) Ich arbeite mit Zeitungen und Zeitschriften zusammen. Und ich beschäftige mich mit kulturellen Aktivitäten und fördere Treffen zu Literatur und Schrift.

In der freien Zeit, die mir bleibt spiele ich zusammen mit andern Schriftstellern und Regisseuren Fussball im Osvaldo Soriano Football Club. Bisweilen scheinen wir auf dem Spielfeld keine Mannschaft zu sein, aber ausserhalb des Feldes sind wir es, immer.

Man kann mir auch an der Küste der Toscana, auf einigen Feiern mit absolut unvernünftiger Alkoholrate über den Weg laufen. Ich bin leider der nüchterne, welcher eine Fender Stratocaster an der Seite von Lella, Lore, Nick und Giordano bearbeitet.

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